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DVWG-Jahresverkehrskongress: Interdisziplinäre Arbeit ist essenziell für eine nachhaltige Mobilität bis 2050

29.06.2022|08:27 Uhr

Wie man Mobilität nachhaltig und alltagstauglich gestalten kann – darüber debattierten am 24. Juni auf dem Jahresverkehrskongress der Deutschen Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft e. V. in der historischen Stadthalle Wuppertal mehr als 150 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Die Tagung wurde von der Bezirksvereinigung Berg & Mark organisiert, die ihren Sitz an der Bergischen Universität hat. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Prof. Dr.-Ing. Felix Huber vom Wuppertaler Lehr- und Forschungsgebiet Umweltverträgliche Infrastrukturplanung, Stadtbauwesen am Fachzentrum Verkehr.

„Wir müssen jetzt handeln!“, forderte die Wuppertaler Verkehrswissenschaftlerin Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter (m.) beim DVWG-Jahresverkehrskongress. // Foto DVWG/Andreas Fischer

Insbesondere die über 60 anwesenden Nachwuchswissenschaftler*innen forderten in ihren Diskussionsbeiträgen ein, dass die Politik endlich zeitnah handle. Jede*r Einzelne*r sei gefragt, Druck auf die Verkehrspolitik auszuüben, damit sich diese einem gesellschaftlichen Konsens nicht weiter verwehren kann. Ökonom Prof. Dr. Niko Paech von der Universität Siegen berichtete hier von einem sehr simplen Beispiel aus Niedersachsen: Nachdem in Oldenburg eine Bürger*inneninitiative Lastenräder anschaffte und diese in der Stadt sichtbar waren, stieg die Nachfrage bei den Hersteller*innen in die Höhe. Sichtbarkeit von Projekten ist hier entscheidend und sorgt für eine aus der Gesellschaft kommenden nachhaltige Veränderung der Mobilität.

Das individuelle Mobilitätsverhalten zu hinterfragen und einen eigenen Beitrag für die Gesellschaft zu bringen, ist notwendig. Dr. Katrin Dziekan (Fachgebietsleiterin Umwelt und Verkehr im Umweltbundesamt) betonte, dass jede*r ein Recht auf Mobilität besitzt – jedoch nicht auf Verkehr. Mobilität ist die Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben, allerdings ist die Bereitstellung von Alternativen besonders im ländlichen Raum weiterhin ein gravierendes Problem. Dieses verstärkt sich noch an den Wochenenden, wenn Buslinien ausgedünnt werden und keine sicheren Verkehrswege abseits der Straßen für Kinder und Senioren*innen vorhanden sind. Eine nachhaltige Raumplanung durch die Verwaltungen und der Politik sei daher unabdingbar, so Prof. Dr.-Ing. Gebhard Wulfhorst (Technische Universität München).

Konsens herrschte unter den Wissenschaftler*innen über die Notwendigkeit eines zeitnahen Handelns. Dabei müssen stets ökonomische Voraussetzungen und ökologische Ziele miteinander verknüpft werden. Wenn die Gesellschaft die Herausforderungen der Mobilität verursacht hat, dürften wir die Verantwortung nicht auf die jungen Menschen auslagern, so Prof. Dr.-Ing. Ulrike Reutter (Bergische Universität Wuppertal). „Wir müssen jetzt handeln!“ (ebd.). Forderungen, die Verkehrswissenschaft müsse Fragen der Mobilität verstärkt in einen interdisziplinären Diskurs führen, wurden mehrfach auf dem Kongress geäußert.

Wuppertals Oberbürgermeister, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, erläuterte, dass Städte in der Vergangenheit ausschließlich auf den Automobilverkehr zugeschnitten wurden. Versucht man Räume neu zu denken und diese umzugestalten, gerät man in einen Konflikt mit einzelnen, die sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, keine Offenheit für Veränderungen haben und den Mehrwehrt für die Stadt nicht sehen. Emotionalität in diesen Debatten ist seiner Meinung nach die größte Herausforderung bei der Beteiligung von Bürger*innen für mobilitätsbezogene Umgestaltungsprozesse.

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